Gestern bin ich von Kuching nach Kota Kinabalu geflogen – das liegt auch noch in Borneo, aber im anderen malaysischen Teil: Sabah. Alles hat bene geklappt: Der Rezeptionist vom Hostel in Kuching hat mich für die Hälfte des Taxi-Preises zum Flughafen kutschiert und Dank Michi hab ich auch keine Probleme mehr mit Gepäck-Umschürigeln – 15kg sind doch gleich viiiel besser… 🙂
In Kota Kinabalu hat mich dann ein Fahrer vom neuen Hostel (gratis) abgeholt – weil ich 5 Nächte gebucht habe 🙂 Wir haben dann noch gleich ein englisches Paar eingepackt, dass “so spontan” ist und nix vorausbucht – und dann eben blöd um Mitternacht ohne Unterkunft am Flughafen steht. Sowas werde ich übrigens nie verstehen im Zeitalter des Internets: Der Zimmerpreis ist zu 99% derselbe, wenn man vorausbucht, aber man spart sich nerviges Türklingenputzen nach einer langen Reise mit dem ganzen Gepäck und oft ist eben (wie hier) ein gratis Transport dabei – was das Ganze sogar noch günstiger macht – ganz zu schweigen davon, dass man sich, wenn man etwas vorausplant, Kritiken über das jeweilige Hostel einholen kann und nicht die Löcher nehmen muss, die eben keiner wollte…
Naja, das Hostel hier (Summer Lodge) ist sehr nett: Ich habe ein fesches Doppelzimmer mit Fenster und Kasten (!) und sogar eine Klimaanlage dabei. Alles ist bene sauber und sogar das Frühstück bei den knapp 13€/ Nacht inkludiert – not bad! 🙂
Mein Luxusdomizil MIT Kasten! 😮
Ja, was gibt es nun über KK, wie die Einheimischen es nennen, zu berichten? Nun ja, ich muss zugeben, die Stadt selbst ist “etwas” charakterlos, um nicht zu sagen “schiach”, doch da können die Leute hier nicht wirklich was dafür. Denn das ehemalige Jesselton wurde im Zweiten Weltkrieg buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht – ganze drei Gebäude haben dies überstanden: das Landvermessungsamt, die Hauptpost und die Atkinson Clock (Uhrturm). Der Rest musste komplett neu aufgebaut werden. 1967 hat man Jesselton dann in Kota Kinabalu umbenannt.
Allerdings ist KK eine relativ reiche multikulturelle Hauptstadt in unglaublich schöner Lage: dahinter befinden sich die grünen Gipfel der Crocker-Gebirgskette und davor der wunderschöne Tunku-Abdul-Rahman-Nationalpark im artenreichen Südchinesischen Meer und eignet sich daher hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge in die wunderschöne Natur Borneos – und darum bin ich ja auch hier 🙂
Gleich heute nach dem Frühstück habe ich mich aufgemacht zum Tunku-Abdul-Rahman-Nationalpark, einem Marine-Park, der im Grunde aus fünf Inseln direkt vor der Stadt besteht. Auf dem Weg zum Fährhafen decke ich mich noch mit etwas Proviant ein und schon wenig später erreiche ich die etwas chaotischen Ticketverkäufer: Es gibt hier unzählige Unternehmen, die alle einen Boottransfer zu den Inseln anbieten. Da ist ein Geschrei um jeden potentiellen Kunden, aber sobald sie einem das Ticket verkauft haben, beschränkt sich die Kommunikation mit den Kunden auf ein Minimum – daher muss ich durch unzähliges Herumfragen erst mein (natürlich nicht beschriftetes) Boot finden. Nach einigem Hin und Her sitze ich mit einem Dutzend Chinesen in Schwimmwesten in einem Speedboat – Erinnerungen an meinen Schnorchelausflug auf Phuket werden unweigerlich in mir wach…
ein wohlbekannter Anblick: Speedboat, Chinesen und Rettungswesten…
Zum Glück besteht der Park wie gesagt aus fünf Inseln – und meine ist die letzte, die angefahren wird. So sehe ich nach und nach die Chinesen von Board gehen und ich werde dann quasi im Privatboot zu “meiner” Insel Mamutik geführt. Natürlich sind dort auch Leute – es ist halt nicht sehr weit weg von der Stadt – aber weitaus weniger “crowded” als die ersten drei Inseln…
Ich suche mir also ein ruhiges Plätzchen am Ende des Strandes und genieße wieder einmal Sommer, Sonne und das ruhige Meer im Schatten eines Baumes. 🙂 Ich verbringe die meiste Zeit mit schwimmen, etwas schnorcheln und vor allem lesen – ich habe mir noch in Singapur am Flughafen das Buch “Welcome to Hell” gekauft – eine wahre Geschichte über einen irischen Geschäftsmann, der durch korrupte Polizisten und Betrügereien unschuldig wegen Mordes ins “Bangkok Hilton” – eines der brutalsten Gefängnisse der Welt – gekommen ist. Ich habe das Buch an diesem Tag fast ausgelesen und kann es nur weiterempfehlen – und ich bin sehr froh, dem Polizisten auf Lembogan die “Gebühr” sofort bezahlt zu haben…
ruhiger, fast Chinesen-freier Sandstrand direkt vor KK (Mamutik)
Eigentlich ein perfekter Sommertag – wären da nicht diese vermaledeiten Sandfliegen gewesen! Wie damals in Bulgarien beißen diese Luadan mich geradezu unentwegt und je später es wird, desto ärger wird es. Der Biss selber tut nicht wirklich weh und man hat danach auch nur einen kleinen roten Fleck – aber wie ich am nächsten Tag feststellen muss, entwickelt sich daraus über Nacht ein ordentlicher Dübel und es schaut aus wie ein Moskitostich – juckt aber um einiges mehr! Ich habe alleine an meinem rechten Fuß (den hat’s weitaus am schlimmsten erwischt!) über 100 Bisse gezählt – also könnt’s ihr Euch jetzt vorstellen, wie ich ausschaue! Mir wurde gesagt, ich solle da ja nicht dran kratzen – weil die Dinger können sich hier ordentlich entzünden (ich habe daraufhin im Internet geschaut und echt ekelige Bilder gesehen!) und was gegen das Jucken helfen soll? Richtig: Tiger Balsam! Das Allheilmittel gegen Alles – ich hab natürlich ein Tegerl davon mit aus Singapur und wisst ihr was? Das hilft wirklich! Allerdings muss man alle paar Stunden wieder schmieren, weil sonst macht einen das Jucken wahnsinnig….
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Ergebnis einer ordentlichen Sandfliegenattacke – und JA: das juckt! 🙁
Um 16:00 Uhr habe ich das Boot bestellt, damit es mich wieder abholt. Leider ist dies nicht das einzige Boot und so startet wieder ein endlos scheinendes Herumfragen, bis ich endlich meines finde – das 30 Minuten zu spät eintrifft. Kleiner Tipp für das Bootsunternehmen: Schreibt’s den Namen des Bootsfirma auf Eure Schinackeln, das würde allen das Leben etwas einfacher machen…
Jedenfalls bin ich so am frühen Abend wieder in meinem Zimmer und nach einer schönen Dusche und dem Einschmieren meiner Noch-Flecken, mache ich mich noch einmal auf, um das Hafengelände zu erkunden. Dort findet allabendlich ein großer Markt statt, schön gegliedert nach dem Angebot: Zunächst gibt es den Mango-Markt (keine Ahnung, warum es da so viele Mangos gibt), dann den für das restliche Obst und Gemüse, dann den Handwerksmarkt (wegen der vielen Filipinos dort auch “Filipino Market” genannt) und dahinter der Fischmarkt, wo der Fang des Tages feilgeboten wird – und praktischerweise gleich daneben in einem riesigen Food Court verkocht wird – da raucht und dampft es, dass es eine Freude ist – vor allem gegrillte Fische, Krabben und Shrimps gibt es dort – frischer geht’s wirklich nicht und dass noch zu einem Spottpreis! 🙂
Eigentlich wollte ich morgen wieder auf eine der Inseln schippern – jetzt bin ich mir aber nicht sicher, ob das so eine tolle Idee ist. Außerdem ist das Wetter für morgen Nachmittag nicht so prickelnd – mal schaun, vielleicht schau ich mir einfach Kota Kinabalu etwas genauer an – vielleicht ist da ja doch noch was zum Sehen…
Nachtrag:
Heute fliege ich nach Tawau – 5 Tage nach der Sandfliegen-Attacke. Die Dübeln jucken zwar nicht mehr allzu sehr, sind aber auch nicht weniger geworden, nur etwas kleiner. Bin schon gespannt, wann ich die Dinge wieder los bin – auf die Inseln bin ich natürlich nicht mehr zurück! Danke Sandfliegen! 🙁