Heute läutet der Wecker wieder einmal um 6:00 Uhr, denn heute geht’s ab zum Bako Nationalpark, einen der schönsten Nationalparks in Sarawak – und das will ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Deswegen war ich auch schon einige Tage zuvor im “Sarawak Forestry”, dem Hauptoffice der Nationalparks hier, das praktischerweise gleich am Ende der Straße liegt, wo ich wohne. Dort habe ich mir gleich ein Zimmer für eine Nacht reservieren lassen, um den Auslug auch richtig auskosten zu können. Am Vortag habe ich auch schon das Wesentlichste für den Trip zusammengepackt: Kleidung zum Wechseln, Waschzeugs, Proviant, natürlich No-Bite (hier ist ja immerhin Malaria-Gebiet!) und 4,5 Liter Wasser – man lernt ja schließlich dazu.
So ausgerüstet gehe ich zum nahe gelegenen Food Court, wo die Minibusse nach Bako wegfahren. Während ich dort so wartet, kommt ein zugegebenermaßen “abgefackter” Franzose auf mich zu und fragt, ob ich auch zum Bako Nationalpark gehen will. Jaja, sage ich und erkläre ihm, dass ich auf den Minibus warte. Der Franzose (natürlich heißt er Pierre *gg*) meint, hier solle auch ein öffentlicher Bus wegfahren und er sucht andere, um sich dann dort ein Boot teilen zu können. Gut so, also fahre ich halt mit ihm und seinem Freund (Till) mit. Wir unterhalten uns so und es stellt sich raus, die Burschen kommen gerade aus Nepal und Indien, wo sie drei Monate verbracht haben – auch net schlecht. Warum er aber trotz tropischer Hitze eine Mütze aufhat, verkneffe ich mir dann doch zu fragen… 😉 Von planen halten sie net viel und deswegen sind sie jetzt schon fast pleite, weswegen sie dann nach Australien weiterfliegen werden, um dort was zu arbeiten – na, die werden auf die dort warten… 😉
Inzwischen kommen noch zwei US-Mädels (eine davon heißt Suzanne und ist aus New York) und kurz darauf sitzen wir schon in einem überraschend modernen Bus (inkl. Klimaanlage) und lassen uns für unter einen Euro zum Bootsterminal des Parks führen. Dort registrieren wir uns gleich einmal und zahlen die paar Ringgit Eintritt. Kurz darauf sitzen wir schon im Boot – und nach 20min Fahrt durch die wunderschöne Landschaft, legen wir am Pier des Nationalparks an. Alles bene gelaufen und es ist erst 8:00 Uhr!
das Fischerdorf beim Bootsterminal des Parks
vorbei an der wunderschönen Naturlandschaft des Nationalparks
Beim Nationalpark selber, müssen wir uns noch einmal registrieren. Da wir aber so bald schon hier sind, können wir die Zimmer noch nicht beziehen. Aber wir können unser Gepäck in einem Raum zwischenlagern. Während ich aussortiere, was ich jetzt für meinen ersten Trekk mitnehmen werde und was nicht, hör ich draußen plötzlich Aufregung. Ich schnappe mir meine Kamera und laufe raus und was sehe ich? Nasenaffen!!! 😮 Diese scheuen Tiere leben nur hier auf Borneo und es gilt als eines der Highlights jedes Besuchers von Bako, wenn er den einen oder anderen zu Gesicht bekommt. Und wir kommen an und direkt neben dem Headquarter sitzt eine ganze Truppe Nasenaffen und lassen sich die Blätter gut schmecken! 🙂 Sogar der Wildlife-Type nennt uns “very lucky” – na, das verspricht ja einiges für den Aufenthalt hier… *freu* Leider sitzen diese witzigen Tierchen immer nur hoch oben auf den Bäumen (sie verlassen diese so gut wie nie). Ich sehe zwar mehrmals diese markanten Nasen, aber der Zoom meiner Kamera reicht dann doch nicht aus… 🙁 Hier meine besten Ergebnisse, diese faszinierenden Tiere festzuhalten:
leider “nur” ein weiblicher Nasenaffe (die haben kleinere Nasen)
hier sieht man wenigstens den charakteristisch weißen Unterkörper
Und so schauen männliche Nasenaffen in voller Pracht als (Foto aus dem Internet) – da wird klar, warum die Einheimischen diese Tiere “Holländer” (“Orang Belanda”) nennen… 🙂 :
Danach geht’s aber nun wirklich los in den Dschungel! 🙂
Ich habe mich für den Tajor-Trek entschieden: Dieser führt zunächst unglaublich steil den Lintang-Trail entlang und bei einem kleinen Wasserfall vorbei zu einem abgeschiedenen Strand. Obwohl dieser Trekk nur 3,5 km lang ist, ist er mit 2,5h (one-way!) beanschlagt. Und wisst Ihr was? Die braucht man auch fast! Denn die Luftfeuchtigkeit beträgt hier weit über 80% – ein Guide, den ich auf dem Weg getroffen hat, meinte in seinem Heimatdorf könne er die doppelte Distanz in einer Stunde zurücklegen als hier, denn der Bako Nationalpark sei aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit extrem! Außerdem soll man sich diese Wege nicht als einen gemütlichen, geraden Weg vorstellen – nein: Es geht ständig auf und ab, dazu unwegsame Wurzeln und Felsen – sowas hält schon mal auf. Aber diese unbeschreibbare Schönheit dieser Natur lässt all die Mühen (meist) vergessen und so will ich um nichts in der Welt diese tolle Erfahrung missen! 🙂 Leider kann kein Bild der Welt diese Einzigartigkeit gebührend festhalten – hier einige klägliche Versuche:
gleich zu Beginn geht’s mal gscheit rauf quer durch den Dschungel begleitet durch Affengekreische und Vögelgezwitzscher 🙂
Gleich zu Beginn sehe ich ein Tier im Wasser schwimmen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, es sei ein kleines Krokodil – leider ist das Tier schon weg, als ich endlich meine Kamera einsatzbereit habe. Später erklärt mir ein Guide, dass das sehr unwahrscheinlich ist, dass ich ein Krokodil hier gesehen hab. Es sei viel wahrscheinlicher ein Waran gewesen – die schwimmen sehr schnell und sehen im Wasser aus wie Krokodile – einziger Unterschied: die Warane haben einen Hals – die Krokodile nicht. Keine Ahnung, ob das Tier einen Hals gehabt hat, aber ich bin auch mit einem 1m langen Waran einverstanden. Ein großer Waran ist eh viel cooler als ein kleines Krokodil, oder nicht? 😀
Auch wenn die Kilometerangaben nach nichts aussehen: alles über 3km (one-way) gilt zu Recht als Ganztagesausflug
Hier ein Überblick über die Trekkingstrecken im Bako Nationalpark – wie gesagt: ich mache heute den Tajor-Trail (am nächsten Tag dann den Lintang-Trail, also die rote Runde)
quer durch’s Gestrüpp – in der Hoffnung, dass da nix innasitzt 🙂
Und? Noch gut dabei! 🙂 Allerdings nicht so top ausgerüstet wie zwei (völlig rotangelaufene) Holländer mit Tourguide auf einem 1h-Trekk: Die haben nicht nur Ton-in-Ton Kaki-Hemden mit dazu passenden Hosen und Wanderstecken, sondern auch einen echten Tropenhelm auf… 🙂
Abwechslungsreiche Landschaft im Bako Nationalpark – auf einmal ist er weg der Regenwald! 😮
Etwas verschwitzt, aber happy, den vermeidlichen Gipfel erreicht zu haben – aber nix is: da geht’s noch viiiiel weiter rauf (auch wenn’s net so ausschaut!)
aber zuerst wird einmal auf einer endlosen Sandebene “verschnauft” – allerdings tut die Sonne und der durch den Morgenregen aufgeweichte Sand das ihre dazu, dass es nicht allzu relaxing ist…
x-spuriger Ameisen-Highway 😀
Fleischfressende Pflanzen findet man hier überall entlang des Weges…
… und auch den einen oder anderen Baum…
Nach kurzer Kletterei wird man mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt!
das gefällt auch der Gudi…
… Zeit für eine Pause mit Jause 🙂
Und dann ist er auf einmal da, der Tajor-Wasserfall – leider ist er nicht so schön wie der im Kubah-Nationalpark, aber ist ja auch nur eine Zwischenstation…
Danach heißt’s noch etwa 45 Minuten durch den Dschungel kraxeln und dann eine steile Leitn hinabrutschen, die mit fetten Seilen versehen ist zum Dranklammern…
…
… und dann bin ich auf einmal nach knapp 2,5h Fußmarsch am Ziel: Der Tajor-Beach! Kein Mensch da, also wieder ein Privatstrand für mich 🙂
Leider ist gerade Ebbe und daher das Wasser nicht allzu einladend zum Baden – man ist ja verwöhnt von Thailand ;-). Aber für ein bissi Sonnentanken reicht der Strand allemal – also Gwandl ausgezogen und in der Sonne gechillt 🙂 Dem Leibl schad’s auch nix, wenn’s ein bissi trocknet *ekelig* 🙂
Chillig am Privatstrand mitten im Dschugel – wohlverdient nach 2,5h Wanderei 🙂
Dann geht’s retour und ich wundere mich, warum ich keinerlei Probleme habe – weder konditionell noch mit der Hitze. Aber ich trinke ja auch brav alle paar 100 Meter ordentlich. Etwas geschockt bin ich dann doch, als ich beim Raufkraxeln vom Beach zwei US-Mädels treffe und eine davon hat sage-und-schreibe FlipFlops an! 😮 Also mir ist ein Rätsel, wie die soweit gekommen ist!
Danach die nächste Verwunderung: Wieder beim Wasserfall angekommen, treffe ich eine englischsprechende Familie (wahrscheinlich aus Australien): Mutter mit zwei Kindern so um die 10 Jahre alt. Als ich sie frage, ob sie noch zum Strand gehen wollen, meint die Mutter nur: Nein, eher nicht, weil sie haben nicht mehr so viel Wasser und sie deutet auf eine fast leere Wasserflasche – für 3 Personen auf einem sicher noch 2-stündigen Marsch zurück durch den Regenwald! Bei dem Klima grenzt das an Fahrlässigkeit! Immerhin ist sie mit ihren Kindern unterwegs!
Ansonsten verläuft meine Wanderung sehr friedlich: Unterwegs höre ich zwar immer wieder Affengeschrei, sehen tu ich aber nicht viel – außer dem einen oder anderem Krabbelgetier. So erreiche ich dann gegen 15:30 Uhr wieder das Headquarter. Kurz davor erblicke ich einen Makkaken – diese Affen sind sehr verrufen hier im Park und überall wird vor ihnen gewarnt: sie klauen einfach alles (Essen, Kameras, Rucksäcke,…) und angeblich brechen sie auch regelmäßig in die Quartiere ein, weshalb man unbedingt immer zusperren soll. Manchmal sollen Makkaken sogar Besucher angegriffen haben…
Im Moment finde ich ihn aber noch ganz putzig – auch als er näher kommt… Immer näher…
Der Makkake sieht mich – ich sehe ihn. Er kommt näher…
… immer näher und folgt mir bis zum Headquarter
Beim Headquarter stampern ihn ein paar Wärter. Ich denke mir noch, die sind ja grob, aber später erfahre ich von den US-Mädels, dass sie buchstäblich von einer Bande Affen angegriffen worden sind – die sind gut organisiert: Einer lenkt sie ab, die anderen umzingeln sie und im richtigen Moment springen sie auf die Besucher! Da heißt’s dann Stock schnappen und mit den Viechern beinhart Baseball spielen! 😮 War der Bursche die Ablenkung oder doch nur ein Spion?!?
Am Abend tummeln sich rund ums Headquarter und die Gästehäuser unzählige Makkaken. Aber auch die im Park heimischen Bartschweine wühlen hier seelenruhig im Dreck:
Da rennt man den ganzen Tag quer durch den Regenwald und wo sitzen die ganzen Vicha? Rund um das Headquarter! War aber trotzdem ein schöner Tag 🙂
Danach kann ich endlich einchecken. Wie gesagt, habe ich einen ganzen Raum gemietet mit 4 (!) Betten drinnen! Das ganze scheint umso dekadenter, weil meine beiden Nachbarräume mit jeweils 4 Personen – alle zwischen 35 und 50 Jahren alt – voll belegt sind… Mag sein, dass das dekadent ist, aber für 10€ ist es mir das wert, dass ich meine Ruhe hab nach einem langen Wandertag und keine verschwitzten Leute neben mir liegen hab mit stinkanden Schuhen…
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Hostel B – ich war im Room 2 (zweites Zimmer von links) – nicht schlecht für eine Regenwald-Unterkunft, nicht? Auch noch so gut wie keine Krabbeltiere inna! 🙂
Ich gehe dann natürlich gleich einmal duschen und sperre – mehrmals vorgewarnt meine Zimmertüre zu. Das stellt sich als überaus nützlich heraus, denn als ich zurückkomme, sitzt doch tatsächlich so ein Makkaken-Vieh auf meinem Türknauff und versucht vergebens die Türe zu öffnen! 😮 Na den hab ich gestampert!
Makkaken sind buchstäblich ÜBERALL! Aber den Burschen trau ich nimmer über den Weg – auch wenn sie lieb zum Anschauen sind – vor allem die Baby-Affen beim Spielen:
Ich esse noch etwas in der Kantine, wo man alle bisher getroffenen Leute wieder trifft. Nach einigen Smalltalk über das Gesehene bei der Zusammenfassung des Fußball-WM-Tages (jaja, da ist sogar ein Fernseher!), gehe ich noch kurz zum Strand hinunter:
Am Rückweg sehe ich wieder einen achso-scheuen Nasenaffe, der es aber leider wieder gut versteht, seine Nase vor der Kamera zu verbergen…
Danach heißt’s etwas Pausemachen (da lob ich mir mir mein ruhiges Zimmer!), denn in etwa 2,5h geht’s auf zur Nachttour! 🙂
Es wird finster im Dschungel: Zeit für eine (geführte) Nachttour! 🙂
Leider ist das Fotomachen bei Nacht immer so eine Sache, also müsst Ihr mit meiner Schilderung vorlieb nehmen: Alle Interessierten treffen sich um 20:00 Uhr beim Headquarter, nach Registrierung und der Beschaffung einiger Taschenlampen geht’s dann los. Es ist bereits stockfinstere Nacht…
Wir haben zwei Guides mit und diese zeigen uns unter anderem eine riesige Spinne mit unglaublich langen Haxen mitten in einer kleinen Höhle. Dann sehen wir noch Wildkatzen – gaaaanz oben am Baum. Der Guide ist redlich bemüht, sie mir zu zeigen, aber Nachtblindheit und Kurzsichtigkeit sind nicht die besten Voraussetzungen und so muss ich mich mit zwei Paar reflektierenden Augen oben im Baum zufrieden geben… 😉
Natürlich sehen wir noch diverse Frösche und Fledermäuse und wieder ein paar Nasenaffen. Danach kommen wir zu einem kleinen Tümpel. Darin leben unglaublich viele Katzenfische – die schauen echt lustig aus: Fische mit Bart 🙂 Aber zu spaßen ist mit denen wohl nicht, denn die können ordentlich schnappen, wie der Guide mit einem Stecken demonstriert…
Danach kommt DAS Highlight für mich auf der Nachttour: Es gibt im ganzen Park nur eine einzige wirklich giftige Schlange: Wagler’s Pit Viper! Und da sitzt eine! Sie ist zwar relativ klein, aber der Guide warnt uns, mit den Kameras nicht zu nahe zu kommen, denn das Vieh ist nachtaktiv und kann wie eine Sprungfeder ziemlich weit rausspringen! 😮 Ich frage, was passieren würde, wenn sie mich beißt, da meint er nur, das wäre keine so gute Idee. Auf die Frage, ob es hier im Park ein Gegengift gäbe, meint er zu unserer Überraschung nur, nein. Wenn jemand gebissen wird, wird er aufs Festland gebracht ins Krankenhaus! Kuching ist etwa 1,5h entfernt! Es ist also wirklich keine gute Idee, sich beißen zu lassen…
Der Guide meint, die Schlange sei schon länger da und falls kein starker Wind aufkommt, vermutlich auch morgen hier. Da wäre es besser, Fotos zu machen, denn da liegt sie nur rum – antatschen ist aber trotzdem net soo schlau… 😉
Gut so. Ich versuche mich zu orientieren, um das Vieh morgen wieder zu finden und auf einmal kommt’s mir: Das hochgiftige Tier ist keine 100m von meinem Zimmer entfernt! 😮 Na super! Das wäre dann auch net nötig gewesen… 😉
Nach einigem anderen Getier, kommen wir nach insgesamt etwa 2 Stunden wieder zurück. Zeit zum Heitigehen. Ich stelle mir den Wecker auf 6:00 Uhr – in der Früh sind angeblich am ehesten Tiere zu sehen und falle bald ins Reich der Träume…