Heute geht’s in den Dschungel! Genauer gesagt in den 20km von Kuching entfernten Kubah-Nationalpark. Dieser gilt mit seinen 22 Quadratkilometer als einer der kleinsten Parks in Sarawak:
Die Gegend besteht hauptsächlich aus Sand-, Schlammstein und Schiefer und liegt im Schatten dreier Berge: Gunung Serapi, Gunung Selang und Gunung Sendok. Das kristallklare Wasser der Flüsse schießt über eine Reihe von Kaskaden, von denen manche bis zu zehn Meter hoch sind. Allgemein gilt der Park – im Gegensatz zum berühmten Bako-Nationalpark – als eher ruhig. Aber auch wenn er klein ist, so beheimatet er eine facettenreiche Tier- und Pflanzenwelt: Die Gegend ist Orchideenreich und Palmenarten wie Licuala, Rattan, Pantu, Pinanga, Appendicula, Dipodiumund Eria sind in reicher Zahl vorhanden.
Im Wald und den nahegelegenen Mangroven leben viele verschiedene Tiere, darunter der Mausdeer, Eichhörnchen und das Bartschwein. Die lauten Rufe des Schwarzen Nashornvogels (Kenyalang) können deutlich vernommen werden, wenn man durch den Park geht. Dieser heilige Vogel ist eine Hauptfigur in vielen religiösen Zeremonien der Iban. Andere sehenswerte Bewohner des Parks sind Reptilien- und Amphibienarten. Malerischen Wasserfälle bieten einen idealen Platz zum Picknick und für kühle, erfrischende Bäder nach einer anstrengenden Wanderungen durch den Wald – no, hört sich ja nicht so schlecht an, also nix wie hin!
Nach dem Frühstart gestern, schlafe ich heute etwas länger und mache mich erst gegen 10:00 Uhr auf den Weg. Ich entschließe mich wieder für ein öffentliches Transportmittel und nach einiger Verwirrung und Herumgefrage, sitze ich schließlich tatsächlich im richtigen Bus, der mich für 60 Cents zum gewünschten Ziel bringt.
Mein “Luxusbus” mit integriertem Belüftungssystem: einfach die Türen offenlassen 🙂
Bei der Endstation sehe ich ein Schild mit der Aufschrift: Kubah Nationalpark: 5km. Der Busfahrer erklärt mir, da muss ich jetzt zu Fuß weiter, 5km die Bundesstraße rauf. Auch gut, sind ja nur 5km, denk ich mir und frage sicherheitshalber noch, wann denn der letzte Bus hier wieder zurück fährt. 16:00 Uhr. Gut so, also los! Nach einer Weile merke ich, dass die 5km auf der Straße in praller Mittagssonne gar nicht so ohne sind. Unterwegs schmiere ich mich noch mit No-Bite ein wegen Malaria und so und weitergeht’s… Ein weiteres Schild: 3km. Ok. Weiter. Ich hatsche 45 Minuten stätig bergauf ohne jeden Schatten und frage mich langsam, wie die hier ihre Kilometer messen…
Der Kubah-Nationalpark von meiner 5km-Straßenwanderung aus
Dann das 1km-Schild. Oida! Plötzlich fährt ein Auto vorbei – und bleibt stehen. Ich überlege kurz… Einsteigen? Sollte man wohl nicht, oder? Drinnen sitzen zwei Burschen und fragen, ob sie mich mitnehmen können… Nach kurzem Zögern, steige ich ein. Warum auch nicht? Ich sage, wo ich hin will und sie fahren los. Sie meinen, ich könne sie gerne wieder anrufen, wenn ich wieder runterfahren will und geben mir ihre Nummer, sie sind von hier und daher immer in der Nähe – auch nicht schlecht! Ich bedanke mich brav und auf dem Weg bin ich froh, dass ich eingestiegen bin: Da war noch ein unglaublich langer, sehr steiler Kilometer zu bewältigen…
So steige ich bereits völlig verschwitzt aus dem Auto aus. Bedanke mich noch 100-mal bevor mich der Wildlife-Typ in Beschlag nimmt. Er kann es gar nicht glauben, dass ich da zu Fuß rauf bin und erklärt mir, einer der Wildlife-Angestellten könne mich später gerne für 7,5 Euro zurück nach Kuching bringen – oder für 1,5 Euronen zur Busstation! No, dass nemma doch 🙂 Danach tratschen wir ein bissi. Dem Typen ist offensichtlich ein bissi fad und so stellt er mir eine ordentliche Wanderroute zusammen und beschließt, nachdem er sieht, dass ich nur eine (inzwischen angebrochene) 1,5-Liter-Wasserflasche hab, es wäre wohl besser, ich würde zuerst zum Wasserfall gehen – Wasserauffüllen! 🙂 Ist mir nur recht, weil da wollt ich sowieso hin. Er zeigt mir den Weg und meint, ich brauche mich nicht zu hetzten, er wartet eh auf mich – sehr beruhigend! 🙂
Beweisfoto: Kubah Nationalpark
Weiß auch nicht, was der Frosch dem Schweindl getan hat…
Also los geht’s! Außer mir ist nur ein mittelalterliches kanadisches Paar hier – perfekt ausgerüstet mit Wanderstecken und Kniegelenkstützen. Die beiden stellen sich als äußerst zach heraus und rennen buchstäblich los! Sie haben die gleiche Wasserfall-Tour wie ich vor, doch soviel sei bereits vorweggenommen: während ich noch zum Wasserfall gehe, kommen sie mir schon wieder entgegen! Auch der Wildlife-Typ ist nachher überrascht von ihrem Tempo und meint, sowas wäre wohl nicht sehr sinnvoll, denn da sieht man gar nichts – da geht es wirklich nur um die “exercise”…
hier der Plan – ich bin gegangen: Waterfall-Trail, dann retour, den Main-Trail bis zum Rayu-Trail, denn dann bis zum Serlang-Trail und so zurück zum Headquarter. War ein fescher Marsch – vor allem mit nur 1,5l Wasser. Gedauert hat’s knappe 5h… 🙂
also zuerst einmal der Waterfall Trail – und das gibt’s da zu sehen…
Der Waterfall-Trail ist nur 1,5 km lang – also nix, würde man meinen. Allerdings ist eine Wanderung im Dschungel aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit absolut anders als zu Hause, wo meist sehr angenehme Wander-Temperaturen herrschen. Hier schwitzt man schon wie Sau, wenn man nur im Regenwald steht! Die Wege sind allerdings ähnlich wie die Wanderwege zuhause: gut ausgeschildert und mal besser ausgetreten und man weniger gut, mal geht es gemütlich grad entlang, dann wieder muss man auf allen Vieren auf dem rutschig nassen Waldboden eine Leitn hochklettern. Wie gesagt, ähnlich wie daheim – aber viiiiel anstrengender! Dazu kommt, dass man ständig aufpassen muss, ob man nicht auf eine Schlange tritt (davon habe ich schon öfters gehört!) oder dass so ein Luada nicht von einem der vielen Bäume runterhängt. Also immer brav hinschauen, wo man hintritt… 🙂
Hier einige Eindrücke von meinem ersten richtigem Dschungel-Erlebnis:
Größere Tierleins habe ich an diesem Tag keine gesehen – allerdings viele Vogel gehört und viel Gekrabbel gesehen – und die Insekten hier sind wie die Bäume auch “etwas” großer als daheim:
Während ich über einen fetten, schon halb verrotteten Baumstamm klettere, der mitten am Weg liegt, wer kommt mir da im Stechschritt entgegen? Die Kanadier! Sie sind schon auf dem Rückweg! 😮 Ein bisschen Smalltalk und schon rennen sie weiter…
Aber auch ich bin fast beim Wasserfall, wie dieses Foto beweist :-):
Noch 4 Minuten bis zum Etappenziel 🙂
Und plötzlich hör ich schon etwas rauschen! Und da ist er! Ist er nicht schön? 🙂
Und es ist herrlich kühl davor zu sitzen und Pause zu machen. Ich packe meine Jause aus und genieße einfach den wunderschönen Ort. 🙂
Ich bin aber nicht alleine hier: Eine Gruppe aus acht jugendlichen Schulkindern sitzt auch hier – schön getrennt die Buben in einer und die Mädchen in einer anderen Gruppe 🙂 Es dauert auch nicht lange, bis sie sich langsam nähern. Sie bieten mir allerlei zu essen und zu trinken an und wollen alles über mich wissen: wie ich denn heiße, woher ich komme, wie lange ich hier bin, wohin ich gehen werde, etc. 🙂 Kommt mir das nicht irgendwie bekannt vor? 😉 Ich beantworte brav alle ihre Fragen und sie sind sehr beeindruckt davon, dass ich jetzt alleine herumreise – das würden sie sich nie trauen! 🙂 Ich meine nur, sie seien ja viel jünger als ich und in ihrem Alter (sie sind alle 16 Jahre alt), hätte ich mich auch nicht getraut. Eines der Mädchen ist ganz fasziniert von meinen Fußbändern – sie gefallen ihr recht und noch viel mehr, als ich ihr erkläre, dass jedes von einem Ort ist, wo ich schon gewesen bin. Sie will das jetzt auch machen! 🙂 Die Kinder haben nämlich gerade Schulferien und sind daher jeden Tag hier, erklären sie mir. Sie sind alle sehr nett und als ich sie frage, ob man das Wasser vom Wasserfall eh trinken kann, weil ich Wasser brauche, meinen sie JA, aber es schmecke nicht so gut und wollen sie mir doch gleich eine volle Wasserflasche schenken. Ich lehne aber ab – sie sind ja noch länger hier und brauchen sie sicher auch und hole mir einfach Wasser vom Wasserfall – das übrigens ganz normal schmeckt und auch noch erfrischend kalt ist.
Als ich mich verabschieden will, fragen sie (natürlich), ob sie noch ein Foto von mir machen dürfen – natürlich dürfen sie: 😀
wieder neue, beste Freunde 😀
Danach geht’s zurück und über ein Stück Main- und Rayu-Trail zum Selang-Trail, der über einen Viewpoint zurück zum Hauptquartier führt. Auch hier geht es ständig quer durch den Wald, ich mache immer wieder Trinkpausen und schmiere mich von Zeit zu Zeit neu mit No-Bite ein – hier ist ja Malaria-Gebiet und durch den vielen Schweiß wird das Zeug schnell verdünnt. Denn ich schwitze natürlich als wie, aber ich habe keinerlei Probleme – weder konditionell noch mit der Hitze. Das wundert mich dann doch, habe ich mich ja in den letzten Monaten nicht wirklich sportlich betätigt…
Und dann erreiche ich schließlich den Viewpoint – und der Name ist auch verdient: gebt Euch diese atemberaubend schöne Aussicht über das Tal:
Dann geht es noch einmal steil bergab – gesichert mir einem dicken Seil, das man aber auch wirklich braucht, wenn man sich keinen Haxen brechen will – schnurrstracks hinunter zum Hauptquartier…
Dort wartet schon der Wildlife-Typ auf mich und begrüßt mich überschwenglich mit den Worten: No, Du schaust ja gar nicht verschwitzt aus! 🙂 Ich lache nur, nehme den Rucksack ab und zeige ihm mein am Rücken waschelnaßes T-Shirt. 😉 Leider habe ich kein zweites Hemmel mitgenommen – hamma wieder was gelernt – aber das ist schon OK so: wenn man wo schwitzen darf, dann bitte im Regenwald… 😉 Der Ranger bietet mir einen Sessel an und wir unterhalten uns ein bissi. Er meint, er mache heute sowieso früher Schluss (der Park schließt erst in einer Stunde), er müsse nur auf seinen Kollegen warten, dann kann er mich runter zum Bus führen, wenn ich will! Ich nehme dankbar an.
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Bauarbeiten beim Hauptquartier 😀
Nach kurzem Warten, kommt auch schon sein Kollege und ich sitze im Auto des Rangers. Er bringt mich aber nicht nur die 5km runter, sondern gleich zu einer Bushaltestelle im Tal. Er meint, ich solle unbedingt wiederkommen und am besten eine ganze Gruppe mitnehmen. Man kann nämlich im Park auch übernachten und dann sieht man dort Frösche und Wildschweine – na, wenn das nicht aufregend klingt 😉 – und außerdem können wir dann zusammen ein Bier trinken. Weil er trinkt ohnehin jeden Tag seine vier Dosen – damit er schlafen kann… Na dann…
Dann erreichen wir die Bushaltestelle und ich will ihm Geld für die Fahrt geben, da antwortet er empört, er wolle mein Geld nicht! Auch gut! 😉 Ich verspreche ihm dafür, ich zahle dann das nächste Mal, wenn ich wiederkomme, die Biere…
Kurz danach kommt auch schon der Bus und gegen 18:00 Uhr bin ich wieder zuhause in meinem Hostel. Nach einer ausgiebigen Dusche merke ich erst, wie müde ich bin. Ich besorge mir noch schnell was zu Essen am Pier und gehe dann bald ins Betti – aber ich habe den Tag gut überstanden, und da das ja auch ein Test für den Bako-Nationalpark gewesen ist, freue ich mich schon darauf. Es war zwar anstrengend, hat aber auch Spaß gemacht… 🙂