Um 3:30 Uhr läutet der Wecker. Für mich eine Wohltat, lieg ich doch schon seit einer halben Stunde wach im Bett – mit Schnupfen und Halsweh! 🙁 Die Nacht war wieder eisig kalt und wir bereiten uns vor auf die Jeep Tour rauf zum View Point. Nach einem singapurianischem Anti-Verkühlungstee geht’s schon besser. Also ab in den Jeep. Die deutschen Nachbarn (sie wohnen sogar im Bungalow neben uns) versuchen Konversation zu machen – nix für mich um diese Zeit! Ich packe mich fest ein in meine warme Mütze und zwei Jackerln samt Handschuhen und meinem Tüchl – meine bereits Pekingtaugliche Ausrüstung. Michi findet es gar nicht so kalt – Ansichtssache halt! 😉 Der Jeepfahrer hat auch noch das Fenster offen, aber wider Erwarten geht es doch ganz gut. So rumpeln wir den steilen, holprigen Weg etwa eine Stunde lang rauf mit waghalsigen Überholungsmanövern in stockfinsterer Nacht. Doch die vielen Jeeps lassen uns schon erahnen, dass wir nicht “ganz” alleine da oben sein werden:
Oben angelangt müssen wir uns erst einmal den Weg durch die ganzen parkenden Jeeps und die unzähligen Mopeds bahnen, die kreuz und quer auf der ohnehin schmalen Straße herumfahren. So erreichen wir nach Passieren unzähliger Souvenirgeschäfte den View Point, eine große Terrasse, die bereits jetzt etwa 40 Minuten vor dem Sonnenaufgang voll mit Leuten ist! 😮 Wie bereits erwähnt, machen geschätzte 90% der Touristen nur diese Sunrise-Tour mit. Und genauso aggressiv verhalten sie sich, wenn es um den besten Fotoplatz geht…
Aber Frechheit siegt und so gehen wir einfach vorbei an den teilweise schimpfenden Leuten in die zweite oder dritte Reihe. Die Sonne wird genau vor der Terrasse aufgehen und daher scharren sich hier die Leute. Wir finden aber zufällig heraus, dass der Mount Bromo und alle anderen Vulkane rechterhand liegen und positionieren uns – von den Menschenmassen relativ unbehelligt – auf der rechten Seite der Terrasse. Hier blast der Wind etwas her und ich bin echt froh über meine warmen Sachen…
Dann endlich beginnt die Sonne langsam aufzugehen und nach und nach taucht unter uns eine surreale in Nebel liegende Welt auf, die man mit den teuersten Hollywoodkulissen nicht besser hinbekommen könnte – würde ich dies in einem Film sehen, ich würde sagen, dass ist ja nur unecht! Ich glaube, hier sprechen Bilder mehr als 1000 Worte, also seht selbst:
Doch das was sich hier auf der Terrasse abspielt, ist bald nur noch unlustig: Je mehr die Sonne aufgeht, desto mehr checken auch die schlauersten Touristen, dass sich das eigentliche Spektakel auf der rechten Seite abspielt und die Drängerei und Vordränglerei beginnt. Nachdem sich aber der Nebel langsam ohnehin aufzulösen beginnt, räumen wir das Feld und schauen nur noch fassungslos den verrückten Tourists zu. Einfach nur irre! Wir sind sehr sehr froh, dass wir uns mehr Zeit für diese wundersame Gegend genommen haben. Hier unsere Reaktionen, was wir von dieser Touristenaktion halten:
Gudi in voller Montur – man beachte alle rundherum: da gibt’s wohl was zu sehen rechterhand. Gudi schaut aber in die andere Richtung… ?!? 😉
Und was hält der Michi von dem Massenspektakel? 😀
Wir schaffen es gerade noch so, ein halbwegs gscheites Bild von uns vor dem Objekt der Begierde machen zu lassen:
Danach heißt’s wieder unseren Jeep suchen und dann geht’s runter in die “Sandwüste” zum Mount Bromo. Wir lassen uns extra Zeit, auch um unseren Jeep leichter zu finden, und so sehen wir vor uns schon eine regelrechte Karawane zum Krater des Vulkans gehen bzw. reiten. Allerdings haben wir scheinbar ein gutes Loch erwischt und so ist der Aufstieg nicht allzu “crowded”.
Wider Erwarten ist es auch auf dem Krater selbst nicht so überfüllt, wie ich zunächst befürchtet habe. Man muss wissen, dass der Krater bis auf ein kleines Geländer zum Krater hinab nicht wirklich gesichert ist – der Weg ist schmal und es geht gleich senkrecht hinab. Ich habe sogar anfangs erwogen, dass wir den zweiten Aufstieg aus Sicherheitsgründen sein lassen würden, aber wie gesagt, ist es dann doch nicht nötig. Wahrscheinlich sorgt das ständige Kommen und Gehen für ein gewisses Gleichgewicht. Also wieder auffi aufn Berg 🙂
Karawane zum Mount Bromo Krater – nur irre! 😮
Wir sind so froh, dass wir gestern den Krater quasi ganz für uns gehabt haben. Dort wo ich gestern gemütlich meinen Apfel geschmackofatzt habe, sind jetzt zig Leute und ich bin mir sicher die würden einen da abischeren, wenn man sich jetzt da zum Abgrund setzen würde…
Da ich den Krater ja bereits am Vortag ausführlich gesehen habe, bleibe ich sicherheitshalber doch beim kurzen Geländerstück stehen und schaue mir von dort aus das Treiben an. Michi geht noch einmal ein Stück weiter, um “seinen” Vulkan noch einmal näher zu betrachten.
Während ich hier so stehe, nähern sich langsam und zögerlich, aber ständig an ihre alten Handys herumfualnd einige indonesische Mädchen. Mittlerweile weiß ich ja schon, was da auf mich zu kommt und tatsächlich fangen sie schüchtern mit mir zu reden an. Ich bin gut gelaunt und tratsche in aller Ruhe mit ihnen und beantworte brav alle ihre Fragen über meine Heimat und meine Reise. Danach komme ich auch noch mit ihrem Englischlehrer ins Gespräch: Er hat “English Law” studiert und ist jetzt eben Englischlehrer in einer Englischsprachigen Schule. Er interessiert sich sehr über unser Postgraduate Program, weil er gerne ein solches machen würde, allerdings vor lauter Arbeiten nicht dazu kommt. Er gibt mir seine Visitenkarte, falls ich einmal Probleme haben sollte – echt nette Leute hier 🙂 Er erklärt mir auch, warum die Schüler uns immer ansprechen: Sie wolle gerne ausländische Freunde haben und gleichzeitig ihr Englisch üben. Da helf ich doch immer wieder gerne aus! 🙂
Danach kommt natürlich das obligatorische Fotoshooting – eine Angelegenheit, die nicht so ungefährlich hier ist: Die Hobbyfotografinnen gehen immer weiter zurück, obwohl sie nur noch wenige Zentimeter vom senkrechten, ungesichterten Abgrund entfernt sind! Ich seh die Mädeln schon runterstürzen, doch die gehen noch weiter… Inzwischen haben sie auch ein Transparent von der Schule ausgepackt und vor uns aufgebaut. Sie nehmen dann noch meine Email-Adresse und versprechen mir, sie schicken mir das Foto! No, ich bin gespannt! Dann fragen sie mich auch noch, ob ich Facebook habe und schon sagen sie alle, sie wollen mich als Freund hinzufügen – ich hoffe, die haben meinen Namen nicht lesen können, sonst habe ich das nächste Mal 100 Freundesanfragen mehr…
In der Zwischenzeit ist Michi zurückgekommen und er schafft noch ein Foto mit zumindest einem Teil meiner “engsten” neuen Freunden – leider haben sie hier schon das Transparent abgebaut:
Gudi beim Missionieren der indonesischen Jugend 😉
Danach geht’s wieder runter und zurück zum Hotel. Wir gehen noch frühstücken, checken dann auch, bevor uns auch schon unser Minibus abholt – und schon geht geht’s auf nach Bali…