21.05.2010

Prambanan: Zwischen hinduistischem Heiligtum, Klassenfoto und Touristenfalle

Pünktlich um 14:00 Uhr holt uns also unser Privatfahrer für den restlichen Tag ab und wir steigen in unsere Luxus-Karosse und fahren so zu Dritt nach Prambanan. Vorher halten wir noch kurz bei einer Silberwerkstatt an – natürlich mit angrenzendem Geschäften. Wir gehen kurz durch und fahren dann weiter zum Hindu-Tempel. Unterwegs ist die Straße “etwas”  verstopft: 14:00 Uhr–Rush-Hour und mitten drinnen noch eine Hochzeitsprozession in unzähligen Pferdekutschen…

In Prambanan nehmen wir uns wieder einen Tourguide und wir stellen erstaunt fest, dass die Inder um einiges weniger prüde sind als die Buddhisten – zumindest im 9. Jahrhundert, als der Tempelbezirk Prambanan erbaut worden ist: überall sieht man teilweise sehr eindeutige Fruchtbarkeitssymbole an den Reliefs. Prambanan ist ein sehr beeindruckendes Bauwerk und wurde errichtet, um Borobodur zu übertrumpfen (auch wenn uns letzteres aufgrund der dargestellten Geschichten und Symbole mehr zugesagt hat). Obwohl die Außenmauern und die umgebenden 224 kleineren Schreine zerfallen sind, erhebt sich der in der Kolonialzeit aufwendig restaurierte Hauptkomplex majestätisch über die Ebene. Beim Erdbeben 2006 wurden allerdings große Teile des Tempels beschädigt und so ist etwa der Haupttempel, der Siwa geweiht ist, auch heute aus statischen Gründen nicht zugänglich.

Die drei Haupttempel symbolisieren die hinduistische Dreifaltigkeit: Brahma, Vishnu und Siwa. Der javanische Hinduismus hat Shiva als den höchsten Gott anerkannt und die anderen Götter um ihn herum gruppiert. Daher ist der 47m hohe Turm des Siwa im Zentrum auch größer und archetektonisch perfekter als die Zwillingstempel von Brahma und Vishnu. Weiters befinden ich um Shiva in weiteren Kammern der dickbäuchige Agastya, der elefantenköpfige Sohn Shivas, Genesh, und seine Frau Durga. Gegenüber vom Tempel Siwas befindet sich ein Schrein für Shivas Reittier, den heiligen Stier Nadi. Großartige Reliefs an der Innenseite der Ballustrade um Siwas Tempel erzählen das Ramayana-Epos, die Entführung und Befreiung von Sita, die Gattin des indischen Prinzen Rama.

Jo, so ist das gewesen. Hier einige Impressionen des gigantischen Hindu-Tempelkomplexes:

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DSC01800DSC01796 Beim Tempel werden wir wieder von einer yogyakartischen Schulklasse aufgespürt und während ich Fotos vom Tempel mache, merke ich, dass ich gerade von zwei Schulmädchen gefotoshootet werde… 🙂 Na wenn schon denn schon, denk ich mich und fange zur Freude der Mädels an, für sie zu “posen”. Besonders gefällt es ihnen – wie auch den Chinesen – als ich das Peace-Zeichen mache – die offensichtlich beliebteste Fotopose in Asien 🙂 Das lockt dann auch gleich weitere Schüler mit uralten Fotohandys an und schon kurz darauf sehen wir uns wieder von einer ganzen Schulklasse samt zwei Lehrern umgeben und mehrere Kameras schießen zur Freude aller unzählige Fotos. Michi schafft es gerade noch, der einen Lehrerin seinen Fotoapparat in die Hand zu drücken und zu erklären, wir hätten auch gerne eines. Natürlich müssen wir die Prozedur mehrmals wiederholen, weil die Hobbyfotographen natürlich auch mit uns auf dem Foto sein wollen. Die Frau Lehrerin besteht sogar auf ein separates Foto mit uns – besonders Michis Größe beeindruckt sie sehr… 🙂 Hier seht ihr uns mit unseren neuen besten Freunden – ungefähr die Hälfte von ihnen hat sich ja mit Namen bei uns vorgestellt, wohl um uns die Hand schütteln zu können. 🙂 Aber es ist so schön, wie einfach man diesen Kindern eine sooo große Freude machen kann :-))))

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Wir mit ein paar unserer neuen javanischen Freunde 🙂

Nach der Tempelbesichtigung werden wir zu dem Open-Air-Theater geführt, wo wir Plätze für eine javanische Ballettaufführung  gebucht haben. Doch die Vorstellung beginnt erst in zwei Stunden und hier ist nichts – nichts außer einem gespitzten Restaurant, wo wir jetzt essen sollen. Wir werden an sehr exklusive Plätze mit direkter Sicht auf die beleuchtete Tempelanalage geführt – nur getrübt von einem ungünstig platzierten Warung :-). Getränke kosten hier das dreifache und das aufgebaute Buffet lässt mich bereits erahnen, dass es hier kein à la Carte Bestellen gibt. Und richtig: Es gibt nur das (mittelmäßige) Buffet um 70.000 Rp. pro Person. Nachdem das trotzdem nicht einmal 7€ sind, beschließen wir uns dadurch nicht den Tag ruinieren zu lassen und genießen die Aussicht bei viel zu viel Essen. Leider stellt sich das Buffet als Tourist-Einheitsbrei heraus, aber mit Michi als leidenschaftlichen Essen haben sie an diesem Tag wohl trotz Touristfalle keinen Gewinn mit uns gemacht… 🙂

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Prambanan bei Nacht und als Kulisse für das Ballet & unser Abendessen

Danach geht’s ab ins Theater – ebenfalls mit den beleuchten Tempelanlagen als Kulisse. Zum Glück gibt es am Eingang eine kurze Beschreibung der Geschichte – allerdings ist die Übersetzung so mies, dass trotzdem noch genug Interpretationsspielraum bleibt: Irgendwie sucht sich eine javanische Prinzessin bei einem Wettkampf einen Gemahl aus. Doch einer der Unterlegen will das nicht wahrhaben und verwandelt den Auserwählten in ein Reh, entführt die Oide und kämpft mit einem anderen. Der Entführer fragt die Prinzessin, ob sie ihn heiraten will, doch diese will nicht (warum nur???), dann will er sie umbringen, tut es aber dann doch nicht. Dann kommt noch ein weißer Affenmann und kämpft gegen die Affenarmee – dann zündet er alles an und am Ende wird gekämpft. Dann ist das Paar wiedervereint, aber der Prinz will die Prinzessin nimmer, weil er glaubt, dass sie was mit dem Entführer gehabt hat. Deswegen macht er, was man in einem solchen Fall eben tut und stellt sie auf einen Scheiterhaufen und zündet sie an. Doch da sie rein ist, verhindert irgendein Gott, dass sie stirbt (glaub ich zumindest) – und Aus.;-)

DSC01844 das tolle javanische Ballett…

DSC01851 … Prädikat: “sehr sehenswert” 😉

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Eine eher unerfreuliche Überraschung bei der Aufführung neben dem etwas hinkenden Inhalt ist auch die Beschaffenheit der Sitzgelegenheiten: Harter, purer Lavasteinbänke mit einer eher für kleine Chinesen positionierten Rückenlehen. D.h. Man hab ständig eine harte Steinkante im Kreuz und nach einer halben Stunde – die einem bei der actionreichen Aufführung wie drei Stunden vorkommt, schlaft mir dann endgültig der Hintern ein… In der doch noch stattfindenden Pause lege ich mich quer über die Sitzbank – in unserer (zweitteuersten!) Kategorie sitzen vielleicht 10 Leute – und baue mir einen Polster aus Tasche und Jackl. So wohne ich dann auch der restlichen Vorstellung bei, wobei mir durch ein kleines Nickerchen, aber die “spektakuläre” Kampfszenen entgeht…

Nach diesem Erlebnis bringt uns unser Fahrer heim – wir sind um einiges schneller als bei der Hinfahrt, da wir keine Hochzeitsgesellschaft treffen und uns einfach – wie 10 anderer PKWs – mit Warnblinkanlage an einen Krankenwagen dranhängen, der mit Blaulicht über alle Kreuzungen rast.  Im Hostel angekommen, wartet auch schon unsere frisch gewaschene und gebügelte (!) Wäsche auf uns. So können wir um 22:30 Uhr unser Zeug zusammenpacken und ich freue mich – zum Unverständnis von Michi –über meine weichen, frisch gewaschenen Hosen – ich glaub, die haben sogar einen Weichspüler verwendet… 🙂 Dann geht’s ab  ins Betti, weil morgen geht’s ab zum Mount Bromo – 11 Stunden mitm Minibus olé!

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